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Nachtrag 2O11

 

Der Nachtrag 2011 zu unserer homepage  „ Forschungsarbeiten über Insekten und andere Gliedertiere sowie deren Kulturgeschichte “, von  Hermann Levinson und Anna Levinson, MPI für Ornithologie, Seewiesen und Erling, beinhaltet Themata in Bezug auf die   religiöse Bedeutung der heiligen Käferarten im alten Ägypten (a) sowie  eine Rückschau auf die zehn Plagen der Bibel und deren Entstehung aus biologischer Sicht (b).

 

Dr. Anna Levinson und Prof.Hermann Levinson in ihrem Arbeitsraum (Mai 2O1O)
am Max-Planck-Institut für Ornithologie in Erling-Andechs (Oberbayern).
Photo: David Fischer, Berlin

 

(a) Zur religiösen Bedeutung der heiligen Käferarten im alten Ägypten

mit  sieben Abbildungen nebst Erläuterungen 

 

(a) Venerated beetles and their religious background in ancient Egypt

 

Hermann Levinson und Anna Levinson,

Max-Planck-Institut für Ornithologie,

D-82319 Seewiesen bei Starnberg

Venerated  coleopteran species  and  their religious  background

in ancient  Egypt

 

 

Abstract: The dwellers of ancient Egypt (egypt. remetsh en kemet) were meticulous observers of vertebrate and invertebrate animals inhabiting the Nile valley, oases and deserts, and were particularly impressed by certain beetle species including the swiftly walking and subterraneously hiding darkling beetles (Tenebrionidae), the death fainting and upwards leaping click beetles (Elateridae, Figs.1a, c & 2a, b), the dungball shaping and rolling scarab beetles (Scarabaeinae, Fig.3, first row) as well as the dung collecting and storing coprine beetles (Coprinae, Fig.3, second & third row).

The skeletal cases of several species of darkling beetles (Tenebrionidae) particularly Akis elevata, Blaps bifurcata, Ocnera hispida and Prionotheca coronata  were among the first venerated beetles in ancient Egypt, as they were buried together with the human corpses in tombs of the predynastic and early dynastic periods (~ 4OOO – 289O BC, LEVINSON & LEVINSON 1996, 2OO1).       

The elongate click beetle species (Elateridae) were named by the ancient Egyptians „anch-beetles“ (i.e. beetles of resurrection and afterlife); they were dedicated to the bellicose Goddess NEITH (Fig.1b,d) and adored from the protodynastic period until the end of the fourth Dynasty (~ 32OO – 2498 BC, LEVINSON & LEVINSON 2OO9). Contrarily, the roundish scarabaeid species Scarabaeus sacer, Mnematidium multidentatum and Kheper aegyptiorum as well as the coprine species Catharsius sesostris, Copris hispanus and Heliocopris gigas (Fig.3a-c) were called by the ancient Egyptians „cheprer-beetles“ (i.e. beetles of sunrise) and were venerated from the sixth Dynasty until the end of the ptolemaic period      (~ 2345 3O BC, LEVINSON & LEVINSON 2OO1).

An apotropaic gold dummy closely resembling the elaterid species Lanelater (= Agrypnus) notodonta (Fig.1a-d) was discovered in a first dynasty tomb of upper Egypt and reveals that this anch beetle species was consecrated to the anthropomorphic Goddess NEITH, whereas numerous stone and gold imitations of cheprer beetles were dedicated to CHEPRI, the coleopteromorphic God of eternal sunrise (Fig.7, LEVINSON & LEVINSON 2OO1).

 

Göttlich verehrte Tiertaxa im alten Ägypten

 

„Deus sive natura“, Benedict de Spinoza (1632-1677)

Die göttähnliche Verehrung von Wirbeltieren (Vertebrata) und wirbellosen Tieren (Invertebrata) hatte sich schon frühzeitig in Ägypten zu einem regelrechten Tierkult (d.i. Zoolatrie) etabliert. Die Ägypter der prädynastischen (~ 4OOO – 31OO v. Chr.) und dynastischen Zeit (~ 31OO – 3O v. Chr.) brachten verschiedenen Arten der Wirbeltiere und wirbellosen Tiere aufgrund ihrer eindrucksvollen Fähigkeiten, bspw. Bissigkeit der Giftnattern (Elapidae), Angriffslust der Falken (Falconidae) und Wachsamkeit der Schakale (Canidae), Scheintod, Emporsprung und Flucht  der Schnellkäfer (Elateridae, Abb.1a-d & 2a,b), sowie auffällige Eigenschaften, bspw. aposematisches Erscheinungsbild der gepanzerten und geflügelten Blatthornkäfer (Lamellicornia, Abb.3a-c), deren erstaunliche Handlungen, wie Herstellung, Fortrollen und unterirdische Speicherung ihrer Dungkugeln als bakterienreiche Nahrungsquellen für Eltern und Nachkommen mancher Blatthornkäferarten (Abb.5a,b & 6a,b) sowie wirkungsvolle Abwehr feindlicher Organismen mittels wehrhafter Strukturen und schmerzhafter Bisse - nahezu gottgleiche Verehrung entgegen.

Seit frühdynastischer Zeit (~ 31OO - 2686 v. Chr.) verehrten die alten Ägypter mehrere Arten  der Amphibia, Reptilia, Aves, Mammalia sowie einige Arten der Arachnida, Myriapoda und Insecta als göttliche Lebewesen. Die frühzeitigen Bewohner des Nillandes (ägypt. remetsch en kemet) sahen in den für Menschen teils harmlosen, teils schädlichen Lebewesen ihrer Umgebung nur Geschöpfe Gottes, die sie stets als ihre gleichberechtigten Gefährten behandeln wollten. Die als „heilige Tiere“  bezeichneten Arten hatte man sich im alten Ägypten auch als die Seelen der Gottheiten (ägypt. bau) vorgestellt und aufgrund eines religiösen Tabu-Gebotes vor Tötung und Verletzung zeitlebens verschont sowie in Form von Nachbildungen göttlich adoriert.

 

Interessanterweise steht die Auffassung der alten Ägypter bzgl. des Verhältnisses von Mensch und Tier in krassem Gegensatz zu der diesbezüglichen Vorstellung der Heiligen Schrift, worin es im ersten Buch Mose heisst „Lasset uns Menschen machen nach unserem Abbild; sie sollen herrschen über die Fische des Meeres, die Vögel des Himmels, das Vieh, die Landtiere und die Kriechtiere des Bodens...“ (GENESIS 1, 26).

Andererseits galten im antiken Ägypten die Tiere und Menschen als gleichberechtigte Geschöpfe, die von den Göttern ausnahmslos geliebt wurden. Die heiligen Vertebrata wurden ebenso wie die heiligen Invertebrata nach ihrem Ableben verehrt, einbalsamiert, mumifiziert und in Sarkophagen beigesetzt. So wurden auch die heiligen dungkugel-rollenden Arten der Blatthornkäfergattung Scarabaeus Linné (Scarabaeinae) sowie der unterirdisch dung-speichernden Arten der Gattung Heliocopris Hope (Coprinae) nach ihrem Tod entsprechend der og. Weise einbalsamiert und beigesetzt (Abb.4a,b).

 

Die länglich-ovalen Schnellkäfer (Elateridae, Abb.1a-d) wurden aufgrund ihrer Fähigkeit, sich bei drohender Gefahr sich „totzustellen“ und sich selbst anschliessend aus der Rückenlage senkrecht emporzuschleudern, „anch-Käfer“ genannt (d.h. Käfer der Auferstehung, Abb.2a,b). Andererseits wurden die rundlich-ovalen, dungkugel-rollenden Scarabaeinae sowie die rundlich-ovalen und unterirdisch dung-speichernden Coprinae gemeinsam als „cheprer-Käfer“ bezeichnet (d.h. Käfer des Sonnenaufgangs, Abb.7, LEVINSON und LEVINSON 2OO1).

 

Zugrundeliegende Literatur

 

EVANS,G. (1975):
The Life of Beetles.
George Allen & Unwin London.

FABRE,J.H. (1899):
Souvenirs Entomologiques,

VI. Series – Librairie Delagrave, Paris.

HORNUNG,E. (1972):
Ägyptische Unterweltsbücher : das Amduat, Pfortenbuch, Buch von der Erde, Sonnenlitanei, Nut-Bild, Buch vom Tag und Buch von der Nacht.
Artemis Verlag, Zürich und München.

LEVINSON, H. & LEVINSON, A. 1996 :
Prionotheca coronata Olivier (Pimeliinae, Tenebrionidae) recognized as a new species of venerated beetles in the funerary cult of predynastic and archaic Egypt.
Journal of Applied Entomology 12O, 577-585.

LEVINSON, H. & LEVINSON, A. (1999) :
Instinctive and intentional food storage by animals and man.
SPIXIANA 22, 181-187.

LEVINSON,H. und LEVINSON,A. (2OO1):
Insekten als Symbole göttlicher Verehrung und Schädlinge des Menschen.
SPIXIANA Suppl. 27, Verlag Dr. Friedrich Pfeil, München.

LEVINSON, H. & LEVINSON, A. (2OO7) :
Bakteriophagie mancher Arten der Dungkäfer (Scarabaeinae, Coleoptera) und Deckelschlüpfer (Cyclorrhapha, Diptera),
DGaaE-Nachrichten 21, 27-32.

LEVINSON,H. und LEVINSON,A. (2OO9):
Ein Schnellkäfer als Erscheinungsbild der menschengestaltigen Göttin Neith in proto-und frühdynastischer Zeit Ägyptens (~ 32OO – 2498 v.Chr.).
DGaaE-Nachrichten 23, 35-41.

OEFFINGER, R. (19O8):
In : Bilder aus der Insektenwelt von J.H.Fabre (19O8),
Kosmos Gesellschaft der Naturfreunde, zweite Reihe, Stuttgart.

Abbildungen 1a-d bis 7.

 

 

 

Abbildung 1a-d. Vergrösserte Ansicht der, im Niltal vorkommenden, Schnellkäferart Lanelater (= Agrypnus) notodonta  Latreille (natürl. Grösse ~ 32.O x ~ 9.7 mm) sowie einer Goldnachbildung davon (~ 63 mm lang).

 

a = dorsale, c = ventrale Ansicht, b,d = eine fast naturgetreue Goldnachbildung (~ 63 mm lang) von Lanelater notodonta, die aus einem Grab der ersten Dynastie (~ 31OO - 289O v.Chr.) in Naga ed-Deir (Oberägypten) stammte.

Der Schnellkäfer (ägypt. anch) wurde wegen seines spektakulären Selbsterhaltungstriebes (sein Scheintod, gefolgt von spontanem Erwachen, Emporschnellen und Landen an einem anderen Ort) der altägyptischen Kriegsgöttin Neith in den damaligen Provinzen  des südlichen Schildes (ägypt. resnet) und des nördlichen Schildes (ägypt. mechnet) geweiht und wurde seit Anfang der protodynastischen Zeit bis Ende der vierten Dynastie (~ 32OO – 2498 v.Chr.) göttlich verehrt.

Die Goldnachbildung des Schnellkäfers wurde auf dem Rücken (b) mit dem dunkelblauen Kultsymbol der Göttin Neith (zwei überkreuzte Pfeile an einem langen Stab) und an der Ventralseite (d) mit angezogenen Beinen und dem skizzierten Sprungapparat versehen (LEVINSON und LEVINSON 2OO9).

 

 

Abbildung 2a,b.  Der Luftsprung des Schnellkäfers Lanelater notodonta (schematisch nach G.EVANS 1975).

 

a. ein gefährdeter Schnellkäfer hat sich von einer Pflanze zu Boden fallen lassen und liegt dort in Rückenlage scheinbar tot, wobei seine Beine und Fühler eng an die ventrale Körperoberfläche gelegt sind. Der prosternale Dorn (pD) des Schnellkäfers ist am Eingang der mesosternalen Scheide (mS) festgehalten, während die Vorderbrust abgeknickt ist. Unmittelbar vor dem Absprung des Käfers dringt der prosternale Dorn (pD) vollständig in die mesosternale Scheide (mS) ein und löst damit den Absprung des Käfers aus.

b. Der Schwerpunkt des, auf dem Rücken liegenden, Schnellkäfers ist vor dem Sprung bei G2 und verlagert sich nach oben auf G1, nachdem der prosternale Dorn die mesosternale Scheide vollständig durchdrungen hat. Tatsächlich bewirken der prothorakale Hebemuskel, der prothorakale Schnellmuskel sowie der mesothorakale Auslösemuskel den Luftsprung des Schnellkäfers (LEVINSON und LEVINSON 2OO9).

 

 

 

 

Abbildung 3a-c. Dorsalansicht und Geschlechtsdimorphismus einiger Arten der dungkugel-rollenden Blatthornkäfer (Lamellicornia, Scarabaeinae) sowie der unterirdisch dungspeichernden Blatthornkäfer (Lamellicornia, Coprinae) des alten Ägypten.

 

Reihe 1, von links nach rechts, Scarabaeinae : Sc.s. = Scarabaeus sacer Linné, Mn.m. = Mnematidium multidentatum Klug, Kh.ae.= Cheper aegyptiorum Latreille, Gy.g.= Gymnopleurus geoffroyi Fuessly.

Reihe 2, von links nach rechts, Coprinae : männl. Ca.s. = männlicher Catharsius sesostris, weibl. Ca.s. = weiblicher Catharsius sesostris Waterhouse,  männl. Co.h. = männlicher Copris hispanus, weibl. Co.h. = weiblicher Copris hispanus Linné.

Reihe 3, von links nach rechts, Coprinae : männl. He.g. = männlicher Heliocopris gigas, weibl. He.g. = weiblicher Heliocopris gigas Linné. a = Kopf und Prothorax männlicher und weiblicher Heliocopris gigas  in Lateralsicht.

Reihe 4, von links nach rechts, Coprinae : b = Kopf und Prothorax männlicher und weiblicher Copris hispanus in Lateralsicht. c = Kopf und Prothorax männlicher und weiblicher Catharsius sesostris in Lateralsicht.

Die Arten der Scarabaeinae, ausgenommen Gymnopleurus geoffroyi, tragen einen vierzackigen Kopfschild (clypeus), flankiert beiderseits von einer Wange (gena) an ihrem vorderen Kopfrand und zeigen äusserlich keine deutlichen Unterschiede zwischen den Geschlechtern. Die Männchen der Coprinae tragen unterschiedlich geformte Hörner an ihrem Kopf, während ihre Weibchen entweder rudimentäre oder gar keine Hörner an ihrem Kopf haben.

Im antiken Ägypten dienten die abgebildeten Arten der Blatthornkäfer vorwiegend als Vorbilder zur Herstellung von Denkmälern, Herzskarabäen und Amuletten, die aus Speckstein, Edelsteinen oder Edelmetallen angefertigt wurden. Die Nachbildungen der genannten Dungkäferarten waren ausschliesslich CHEPRI, dem Gott des morgendlichen Sonnenaufganges, geweiht (LEVINSON und LEVINSON 2OO1).

 

 

Abbildung 4a,b. Mumifizierung und Beisetzung verstorbener Coprinae und Scarabaeinae (Lamellicornia).

 

(a) der abgebildete, weibliche Blatthornkäfer Heliocopris gigas Linné      ~ 5 cm lang), wurde vor der Beisetzung einbalsamiert und mit Leinenstreifen umwickelt. An Kopf, Flügeldecken und Hinterleib sieht man noch die Reste der Bandagen.

(b) der abgebildete Holzsarkophag (~ 15 x 11.5 x 5 cm)  eines dungkugel-rollenden Blatthornkäfers ist mit einem blauen Fayencedeckel ausgestattet. Der Sarkophag lässt deutlich erkennen, dass es sich um die Nachbildung eines Scarabaeus laticollis Linné, bzw. Scarabaeus semipunctatus Fabricius handelt (LEVINSON und LEVINSON 2OO1).

 

 

Abbildung 5a,b. Heilige Skarabäuskäfer (Scarabaeus  sacer  Linné 1758, Scarabaeinae/Lamellicornia) bei der Herstellung und Aufbewahrung ihrer Dungkugeln in unterirdischen Nestern.

(a) Die beiden Skarabäuskäfer im Hintergrund sind dabei, ihre Dungkugeln aus frisch abgesetztem Kot von Wiederkäuern bzw. anderen phytophagen Säugetieren zu modellieren und zu glätten bis diese vollständig rund sind und einen Durchmesser von etwa 4-5 cm haben.

Der Skarabäuskäfer an der Rückseite der Dungkugel im Vordergrund, senkt den Kopf und hebt den Hinterleib, um die Dungkugel mit seinen Hinterbeinklauen nach rückwärts zu rollen. Ein anderer Skarabäuskäfer im Vordergrund, versucht die Dungkugel seines Artgenossen zu rauben.

(b) Nachdem ein weiblicher bzw. männlicher Skarabäuskäfer die fertige Dungkugel in ein, von ihm unterirdisch gegrabenes, Nest gerollt hat, konsumiert er gemächlich in der versteckten Erdhöhle die bakteriell angereicherte Nahrung seiner Dungkugel, um so sexuelle Reife zu erlangen.

 

Abbildung 6a,b. Die Juvenilentwicklung von Scarabaeus sacer L.

(a) Nach Reifungsfrass und Paarung legt der weibliche Skarabäuskäfer ein einziges Ei in die Eikammer des ausgestülpten und belüfteten „Halses“ der birnenförmig umgestalteten Dungkugel.

(b) Die Larve ernährt sich an der bakterienreichen Kotmasse der „Brutbirne“ und wächst relativ schnell zu einer grossen und buckligen Larve heran, weshalb sie den oberen mit dem unteren Teil der Brutbirne vertauschen muss. Aufgrund ihrer spezialisierten Ernährungsweise an Säugetierexkrementen ist die Larve des Scarabaeus sacer an Verzehr und Verdauung von bakterienreichem Kot optimal angepasst. Sie ist an das Wachstum innerhalb einer räumlich begrenzten und lichtlosen Brutbirne adaptiert und kann ihren Körper weder strecken noch ihre Thorakalbeine benutzen. Daneben dient ihr der dorsale Buckel als Stützorgan an der konkaven Innenseite der Brutbirne und hilft ihr auch bei der Nahrungsaufnahme.

Die ausgewachsene Larve verpuppt sich in Rückenlage auf dem Boden der ausgehöhlten Brutbirne. Nach abgeschlossener Metamorphose schlüpft der formvollendete Skarabäuskäfer aus der leergefressenen Brutbirnenhülle und durchdringt die aufgeweichte Erdkruste, um an das Tageslicht zu gelangen (LEVINSON und LEVINSON 1999, 2OO7).

 

 

Abbildung 7. Täglicher Aufgang der Sonne, dargestellt mit dem, aus einer Dungkugel geschlüpften Scarabäuskäfer (ägypt.cheper em ta), beim Befördern der aufgegangenen Morgensonne an das Firmament (Buch von der Erde D, drittes Register, Szene 11).

 

Im alten Ägypten wurde der allmorgendliche Anfang des Sonnenlaufes mit einem heiligen Skarabäuskäfer (Scarabaeus sacer, Lamellicornia) versinnbildlicht. Nach Ende der larvalen  Metamorphose (agypt. cheperu) durchdringt der pharate Skarabäuskäfer seine Brutkugel (ägypt. newet), spreizt seine Flügel und befördert die eben aufgegangene Morgensonne an den östlichen Horizont.

Chepri, Gott des Sonnenaufgangs, wird mittags von Re harachte, Gott des Sonnenlichts, abgelöst und wird gegen Abend am westlichen Horizont zu Atum, Gott des Sonnenuntergangs, der dann am westlichen Horizont in dwat, die imaginäre Unterwelt, eingeht (HORNUNG 1972, LEVINSON und LEVINSON 2OO1).

Die altägyptische Vorstellung vom Verlauf der ewig währenden Sonnenbahn beruht demnach auf dem  synkretischen Zusammentreffen der drei Sonnengottheiten Chepri, Re harachte und Atum.

 

 

 


Impressum

 

 

Besonderer Dank gebührt Herrn Alexander Krikellis, M.A., Leiter der Bibliothek des Max-Planck-Instituts für Ornithologie in Seewiesen und Erling, für seine unschätzbare Hilfe bei der Gestaltung des Nachtrags 2O11 zu dieser homepage.

Ebenso herzlich danken wir unseren Kollegen am Institut für Ägyptologie und Koptologie der LMU sowie am Staatlichen Museum Ägyptischer Kunst in München für ihre freundliche Beratung, Unterstützung und Beschaffung schwer zugänglicher Literatur für unsere kulturzoologischen Forschungsarbeiten.

 

 

                                        
Seewiesen und Erling im April 2O11

 

 

 

 

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